Es folgt ein immer noch rein subjektiver Gedankengang.
Wie der Titel es schon vermuten lässt, beschäftigt mich das Thema ‘Netz Elite’ immer noch. Und wenn ich ‘Netz Elite’ schreibe, dann meine ich Persönlichkeiten, die im und über das Internet hinaus bekannt sind für ihre Expertise, ihre Meinungen und ihre Kritiken rund um die digitale Welt.
In Bezug auf ihr Verhalten im Web habe ich ja bereits im Januar diesen Jahres einige Fragen an Sascha Lobo, Mario Sixtus, Uwe Knaus, Holger Schmidt, Tim Renner, Michael Praetorius und Richard Gutjahr gerichtet. Von denen auch einige beantwortet wurden oder sich im Laufe der letzten Monate von alleine geklärt haben. Unter anderem hat Uwe Knaus ausführlich Stellung genommen und mir gezeigt, wo er sich im World Wide Web verortet (noch einmal vielen Dank dafür an dieser Stelle).
Jedoch kam mir vor einigen Tagen ein Beitrag zur Privatsphäre im Internet von Spiegel.TV unter die Augen (Facebook: Die fast Milliarden-Gemeinde), der mich wieder zum Nachdenken angeregt hat. Darin wurden unter anderem Sascha Lobo, Mario Sixtus und Raul Krauthausen interviewet und ihre Einstellung zum Auftreten in sozialen Netzwerken abgefragt.
Dabei stellte sich heraus, dass besonders Lobo und Sixtus vorsichtig im Umgang mit Ihren öffentlichen Aussagen sind und auf Privates im Netz größtenteils verzichten. Mario Sixtus merkte zum Beispiel an, dass er bewusst keine zwei Accounts für jedes von ihm genutzte soziale Netzwerk unterhalte, da er diese nicht versehentlich verwechseln will. Und auch Sascha Lobo würde seiner Aussage nach nie etwas im Web publizieren, was er nicht auch auf der Titelseite einer Tageszeitung sehen wollen würde.
Vielmehr veröffentlichen beide (offenbar) bewusst nur einige persönlich anmutenden Informationen, um damit ein Gefühl der Nähe zu schaffen und gleichzeitig von den wirklich privaten Daten abzulenken. Zwar findet sich im Netz Lobos Telefonnummer und nebenbei vertrödelt er auch gerne mal seine Wohnungseinrichtung öffentlich, aber seine wirklich privaten Momente teilt er dann doch nicht mit uns. Freilich eine interessante Strategie, die jedoch eine essentielle Frage in mir aufwirft:
Wie kommunizieren Lobo, Sixtus und Co. dann privat im Netz?
Wenn Facebook und Google+ genauso öffentlich genutzt werden, wie Twitter und Latitude, welche Kanäle verwendet die ‘Netz Elite’ dann für das Teilen von Urlaubsfotos oder die Einladungen zur Einweihungsfete? Wenn es kein privates Profil gibt, auf dem die genannten ihre Freunde verwalten Freundschaften pflegen, stehen sie dann nur prä-digital mit ihren Freunden in Kontakt? Und haben wir es wieder einmal mit der ‘Generationenfrage’ zu tun (ähnlich wie ich es in meinem ersten Artikel zum Thema gemutmaßt habe)? Müssen wir also letztendlich immer noch zwischen ’Digital Native’ und ‘Digital Immigrant’ unterscheiden?
Ich denke schon, denn wenn ich mir den Alltag meiner Generation und den unserer jüngeren Geschwister genauer ansehe, dann fällt mir auf, dass wir Facebook (stellvertretend für alle sozialen Netzwerke) als natürliches Kommunikationsmittel ansehen. So wie unsere großen Geschwister die E-Mail und die SMS genutzt haben und nutzen und so wie unsere Eltern das Telefon als zentralen Kommunikationskanal betrachten, haben wir uns eben die Social Media Angebote zu eigen gemacht. Genauso wie das Handy das Festnetz für viele bereits ersetzt hat, verdrängen nun die großen personalisierten Echtnamen-Netzwerke Dienste wie ICQ, Skype oder die E-Mail, die unabhängig und anonyme genutzt werden konnten (und können).
Wenn ich jetzt die Generation der angesprochenen ‘Web Prominenz’ irgendwo dort einordnen müsste, dann würde ich sie wohl am ehesten zwischen E-Mail und Telefon verorten und sie als nicht ganz prä-digital, aber dennoch vornetzwerklich (?) bezeichnen. Das heißt natürlich nicht, dass es für sie nicht möglich ist das Internet intensiv zu nutzen. Ich selbst schätze die professionellen Inhalte der hier angesprochenen sehr. Sie bloggen, sie twittern und sie statusupdaten teilen vieles, was mich und viele andere meiner Generation interessiert. Aber offenbar besteht immer noch der Unterschied, dass sie die vorhandenen Social Media Angebote nicht privat nutzen wollen (oder können) und sich dadurch weiterhin von uns, den ‘Digital Natives’, unterscheiden.
In diesem Sinne,
Euer und Ihr Timm Jelitschek // creatimm
[Note: An dieser Stelle möchte ich mich für den inflationären Einsatz von 'Anführungszeichen' entschuldigen. Aber sie dienen mir in diesem Beitrag als Relativierungsmittel für die doch ziemlich heterogene Gruppe der hier genannten Elite.]









